KURZTEST: Ein Alltagssportler mit nur wenigen Schwächen

Suzuki GSX 600 F: Auch gedrosselt stark

Die vielseitige und preiswerte Suzuki gehört in der stufenführerscheintauglichen Einsteigerversion zu den Klassenbesten.

Sechs Jahre ist es mittlerweile schon her, daß Suzuki die GSX 600 F mit der markanten Vollverschalung erstmals vorstellte. Inzwischen steht die 86-PS-Maschine im Modellprogramm des eigenen Hauses im Schatten der RF 600 R, die wie die Konkurrenz mit starken 100 bzw. 98 Pferdestärken antritt. Den Führerscheinneulingen, die mit den 34-PS-Versionen ausrükken, kann's egal sein. Also nahmen wir eine GSX 600 F mit 34 PS in unseren Testfuhrpark auf und gingen der Frage nach: Wie läßt sich eine Maschine bewegen, der im Zuge des Drosselverfahrens sage und schreibe 60 % der ursprünglichen Leistung abhanden kamen?

Um die Antwort vorwegzunehmen: ganz prima. Zwar leidet auch die GSX wie alle stark gedrosselten Maschinen unter der nun zu langen Obersetzung, doch der luft-/ölgekühlte Vierzylinder überspielt dieses Manko locker. Schon ab 1 .500 U/min geht es auch im sechsten Gang ohne Zögern und Verschlucken voran, seidenweich dreht der Vierventiler hoch, und beim Passieren der 5.000er-Marke kommt dann richtig Leben in die Bude. Die Durchzugswerte fallen entsprechend gut aus: 13 Sekunden von 50 auf 120 im höchsten Gang – von den bisher getesteten 34-PS-Drosselbikes kann es nur die mit ihrem Hubraumvorsprung bevorteilte VX 800 noch besser. Bereits an leichten Steigungen jedoch heißt es vor allem mit Sozius oder größerem Gepäck, frühzeitig ein oder zwei Gänge zurückzuschalten. Wer gar öfter im Getriebe rührt und die Nadel immer schön im Leistungsbereich zwischen 5.000 und 8.000 Touren hält, kann sogar einen ausgesprochen sportlichen Strich hinlegen.

Dem steht auch das Fahrwerk nicht entgegen. Mit der extrem auf Handlichkeit ausgelegten Chassis-Geometrie erweist sich die kleine Vierzylinder-Suzuki als echter Kurvenfeger, der sich einzig und allein von Unebenheiten in sehr schnellen Biegungen aus der Ruhe bringen läßt. Ansonsten stecken die 41-mm-Telegabel und die Kastenschwinge mit dem über Umlenkhebel betätigten Zentralfederbein alles locker weg – ob schnelle Wechselkurven, enge Serpentinen, rasch aufeinander folgende Querrillen oder tiefe Schlaglöcher.

Der Verbrauch fällt erfreulich gering aus: Bei geruhsamer Fahrweise genehmigt sich die GSX 600 F fünf Liter pro 100 Kilometer und kommt damit gut 400 Kilometer weit; bei Vollgashatz auf der Autobahn fließen sechseinhalb Liter durch die vier Mikuni-Gleichdruckvergaser. Dank der exakt arbeitenden Tankuhr läßt sich die mögliche Reichweite auch ohne böse Überraschungen nutzen.

Der Tacho wurde hingegen von unserem Meßgerät als schamloser Lügner überführt: Bei 88 km/h steht die Nadel bereits auf der 100er-Markierung.

Die Bewertung der Sitzposition vervollständigt das erfreuliche Bild: Hinter den hoch angeschellten Lenkerstummeln ist der Pilot leicht nach vorn gebeugt, aber durchaus nicht unbequem untergebracht. Die schlanke Verkleidung bietet dem Körper und den Händen guten Wetterschutz und verschont Kopf und Schultern von lästigen Verwirbelungen. Auch der Mitfahrer sitzt bequem auf einem angenehm straffen Polster, ihn stört nur die aufgrund der Sitzbankstufe erhöhte Sitzposition mit größerem Winddruck und schlechtem Kontakt zum vorgebeugten Fahrer.

Interessenten für die offensichtlichen Qualitäten der »F« dürfen sich über den Verkaufspreis von 10.990 Mark freuen, mit dem sie zu den derzeit preiswertesten Angeboten im Reigen der sportlichen Vierzylinder gehört.



Peter Mergelkuhl
Die Vierzylinder-Suzuki taugt durchaus auch für die große Tour. Folgerichtig werden Kofferträger als Zubehör angeboten.



Technische Daten
Suzuki GSX 600 F (25kW)



Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 25 kW (34 PS) bei 7.000 U/min, 42 Nm bei 5.000 U/min, Hubraum 600 cm3

Kraftüberfragung: Sechsganggetriebe, 0-Ring-Kette

Fahrwerk: Stahlrahmen, Kastenschwinge mit Zentralfederbein, vorn Zwei-, hinten Einfachscheiben bremse

Maße und Gewichte: Leergewicht 227 kg, zul. Gesamtgewicht 405 kg, Sitzhöhe 795 mm, Tankinhalt 20 Liter

Meßwerte: Höchstgeschwindigkeit: solo 153 km/h, mit zwei Personen 142 km/h, Beschleunigung 0 - 100 km/h: solo 8,6 sec, mit zwei Personen 10,8 sec, Durchzug 50 -120 km/h: solo 13,0 sec, mit zwei Personen 21,1 sec

Preis: 10.990 DM
Quelle: Motorradfahrer 1/94