Test Suzuki GSX 600 F ( Quelle: Motorrad-Magazin Sonderheft 2002 )


14 Pluspunkte: gut

Mehr Schein als Sein ist das Motto dieses mit reichlich Verkleidungsplastik aufgepeppten Mittelklasse-Sporttourers. Gewissermassen eine 600er Bandit für Leute, die unbedingt eine Vollverkleidung möchten
ALLGEMEIN
Die F-Serie findet sich seit 1990 im Suzuki-Programm und hat seither viele Freunde und Freundinnen gefunden. Ein unkompliziertes, zuverlässiges Motorrad, das mit unverbindlichmodernem Erscheinungsbild auf den ganz breiten Massengeschmack zielt. Eine Art Toyota Corolla in der Motorradlandschaft. Neben dem 600er Modell gibt es die F auch noch mit 750 ccm und 92 PS Spitzenleistung für 7260 Euro.
Motor
Startet kalt bei gezogenem Choke spontan und zuverlässig. Kaltlaufdrehzahl liegt bei etwa 2000/min. Kurze Warmlaufphase, dann gute Gasannahme und Fahrbarkeit. Gutes Anfahrdrehmoment. Lebendig schon im mittleren Drehzahlbereich zwischen 4000 und 6000/min. Ab 7500/ min aufwärts legt sich der Vierzylinder nochmals ins Zeug. Dreht dann willig bis 11000/min. Leicht verzögerter, aber weicher Leistungseinsatz bei Lastwechsel. Leiser, mechanisch ruhiger Motorlauf. Ölstandkontrolle über Schauglas.
Kupplung und Getriebe
Leichtgängige, gut dosierbare Kupplung. Trennt kalt nicht optimal, erster Gang rastet dann mit lautem Schlag ein. Bei heißem Motor besser. Leichtgängig und exakt zu schaltendes Sechsganggetriebe mit kurzen Schaltwegen. Problemlose Leerlauffindung.
Fahrwerk
Recht handliches Fahrwerk mit neutraler, zielgenauer Kurvenlage. Sehr gute Fahrstabilität bis Höchsttempo. Stellt beim Bremsen in Schräglage nur leicht auf. Hohe Schräglagenfreiheit, großer Lenkeinschlag. Gabel zu schwach gefedert und in der Druckstufe zu weich gedämpft. Vorderhand gibt sich auf schlechtem Belag lasch und trampelig. Insgesamt ein braves Fahrwerk für Alltagseinsatz.
Komfort
Fahrer wird gut in die Maschine integriert. Sitzkuhle erlaubt keine gravierenden Sitzvariationen auf Langstrecke. Gutes Windschutz im Oberkörperbereich mit erträglichen Verkleidungsturbulenzen. Sozius sitzt hoch und leidlich bequem.
Bremsen
Drei Scheibenbremsen, die keine Mühe haben, die Fahrt der Suzuki wieder einzufangen. Vorn klarer Druckpunkt und beeindruckende Bremsverzögerung. Scheibe hinten mit sehr guter Wirkung und guter Dosierbarkeit.
Fahrleistungen
Mit den supersportlichen 600ern kann die Suzuki freilich nicht mithalten. Rund 210 km/h Topspeed sind aber nicht von Pappe. Auf die Dynamik drückt auch das recht hohe Gewicht von 232 Kilogramm.
Verbrauch
Normalbenzin. Das schwere Motorrad fordert den 600er Triebling ständig. Man lässt die Maschine jubeln, das kostet Sprit. In der Praxis pendelt sich der Verbrauch bei Werten an der sieben Liter-Grenze ein. Mit dem 20 Liter-Tank gibt es ausreichend Reichweite. Keine Abgasreinigung.
Ausstattung
Bis auf eine praxisgerecht abgedeckte Antriebkette kann die F alles bieten, worauf es im Alltag ankommt. Haupt- und Seitenständer, Cockpit mit Benzinuhr, Staufach unter der Sitzbank und ein Edelstahl-Auspufftopf. Schwaches, fleckiges Fahrlicht und die durchschnittlich anmutende Gesamtverarbeitung stehen auf der Minusseite.
Motorrad fürs Geld
Die GSX 600 F ist ein tüchtiges Motorrad, das fürs Geld einiges kann. Die ganz große Freude bringt sie sicher nicht in die Besitzergarage. Zudem ist die Preisdifferenz zur wesentlich agileren 750er Version nicht sonderlich ausgeprägt.
Einzelwertung: = überragend. = prima. = gut. = noch akzeptabel. = schlecht. = indiskutabel.